Unsere Firmengeschichte

1896 - 1908

Wilhelm Frahm

Im August 1896 gründete der Malermeister Wilhelm Frahm in dem Städtchen Arnis an der Schlei einen Malereibetrieb. Die kleine Stadt Arnis mit ländlicher Umgebung war für einen jungen Malermeister mit einer fünfköpfigen Familie kein guter Standort. Die Auftrags- und Ertragslage war ungenügend und an eine Erweiterung des Betriebes nicht zu denken. Der deutsche Kaiser Wilhelm II. baute seine Flotte aus mit den Geldern, die Frankreich nach dem verlorenen Krieg 1870-71 an Deutschland zahlen musste. So entstanden in Pries und Friedrichsort (damals nicht zur Stadt Kiel gehörend) die kaiserliche Torpedowerkstatt (später MaK), Kasernen, Verwaltungsgebäude und Wohnhäuser für Angehörige der Marine. Die rege Bautätigkeit hatte zur Folge, dass Handwerker und Kaufleute sich hier ansiedelten. Daher zog mein Urgroßvater Wilhelm Frahm 1898 mit Familie und Betrieb nach Pries. Der Start am neuen Standort war erfolgreich, sodass mein Urgroßvater hier ein Grundstück erwerben und im Jahr 1900 ein Mehrfamilienhaus errichten konnte – das jetzige Haus Prieser Strand 9. Die Firma Wilhelm Frahm entwickelte sich in den Jahren darauf zum größten Malereibetrieb im Raum Friedrichsort. Eine Lungenentzündung setzte der Schaffenskraft Wilhelm Frahms ein jähes Ende. Er verstarb am 23. März 1908 im Alter von 42 Jahren und hinterließ Ehefrau und vier Kindern.


1908 - 1922

Margaretha Frahm

Nach dem Tod Wilhelm Frahms stellte seine Frau Margaretha, einen Geschäftsführer ein und führte so den Betrieb weiter. Sie wollte den Betrieb für ihrem ältesten Sohn Willy erhalten, der zu dieser Zeit 13 Jahre alt war und noch zur Schule ging. Für Margaretha Frahm waren es harte Jahre: Schulden durch den Neubau des Hauses mussten verzinst und abgetragen werden, der Geschäftsführer wollte bezahlt, die vier im Haus untergebrachten Lehrlinge wollten verpflegt werden. Auch wenn ihre vier Kinder mithelfen konnten, bedurften sie doch ihrer Fürsorge. Es begann der erste Weltkrieg. Je länger der Krieg dauerte, desto mehr litten die Menschen in der Heimat unter Not und Hunger. Nach der Kapitulation Deutschlands im November 1918 folgten Besetzungen, Demontagen von Fabriken, erhebliche Belastungen finanzieller Art durch Reparationszahlungen und Kriegsschulden. Das führte zu Arbeitslosigkeit und Armut in weiten Teilen der Bevölkerung. Die wirtschaftliche Not übertrug sich besonders auf kleinere Handwerksbetriebe, deren Auftraggeber Privatkunden der näheren Umgebung sind. Diese Belastungen hat Margaretha Frahm auf sich genommen. Man erzählte sich, dass dabei nie ein Wort der Klage über ihre Lippen kam. Ihr starker Glaube hat ihr die Kraft gegeben, alles aufrecht zu tragen. Fast 14 Jahre lang trug sie die Verantwortung für den Betrieb, bis ihr Sohn nach Lehr-, Gesellen- und Wanderjahren die Meisterprüfung abgelegt hatte. Am 1. Januar 1922 konnte sie ihm den Betrieb übergeben.

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1922 - 1960

Willy Frahm

Als junger Malermeister übernahm mein Großvater Willy Frahm 1922 in wirtschaftlich schwierigen Zeiten den Betrieb. Die Geldentwertung wurde zur Inflation und raubte den Menschen ihre mühsam zusammengetragenen Spargroschen. Das Geld verlor Tag für Tag an Wert, Löhne mussten in immer kürzeren Zeitabständen gezahlt werden. Im Sommer 1925 wurde täglich entlohnt. Wenn der Meister das Geld von der Bank holte, standen die Frauen der Gesellen vor der Tür, um den großen Haufen Papiergeld in Empfang zu nehmen. Sofort mussten dann die lebensnotwendigen Dinge eingekauft werden, denn schon morgen würde das Geld nicht mehr viel wert sein. Ende der 1920er-Jahre folgt eine weitere Wirtschaftskrise. Erneut verlieren besonders die kleinen Gewerbetreibenden ihre Einlagen und Guthaben. Wenn man bedenkt, dass der Aktionsradius eines Betriebes durch die meist von den Lehrlingen geschobene „Schott'sche Karre“ bestimmt wurde, erkennt man den engen Rahmen eines Betriebes. Der Privatkunde war ein wesentlicher Auftraggeber in jener Zeit. Nach 1933 setzte ein wirtschaftlicher Aufschwung ein, der sich auch auf die Handwerksbetriebe auswirkte. Dank der Anschaffung eines Pkw „Adler-Trumpf“ mit Anhänger im Jahr 1934 wird der Betrieb beweglicher. Auf dem Grundstück Prieser Strand 9 wird 1935 ein Gebäude mit Werkstatt, Lagerraum, Garage und Nebenräumen gebaut und bezogen. Dadurch können Anstrich- und Lackierarbeiten in der Werkstatt ausgeführt werden. Zu den Arbeiten, an denen die Firma Frahm wesentlich beteiligt ist, gehören Wohnungsneubauten, die Erweiterung von Industrieanlagen und der Ausbau des Flugplatzes in Kiel-Holtenau Durch den Beginn des Zweiten Weltkriegs ändern sich die Aufgaben und das Gesicht des Betriebes schlagartig: Inerhalb weniger Tage werden die jüngeren Mitarbeiter zum Wehrdienst eingezogen. Anstricharbeiten an Militärbauten haben unbedingten Vorrang. Markante Gebäude erhalten graue Tarnanstriche. Bald müssen erste Bombenschäden beseitigt weren. Dem Betrieb werden ein Kleinbetrieb und mehrere Allenmeister unterstellt, um Bombenschäden an Glas und Gebäuden schnellstmöglich zu beseitigen. Am 1. Oktober 1941 wird Willys Sohn Wilhelm Frahm nach verkürzter Lehrzeit mit 18 Jahren zum Wehrdienst eingezogen. Bei Kriegsende liegt Kiel in Schutt und Asche. Ausgezehrte Männer und Frauen sind zur Trümmerbeseitigung eingesetzt. Lebensmittel werden auf Lebensmittelkarten in kleinen Rationen ausgegeben. Heizmaterial gibt es kaum. Holzzäune, sogar Türen und Fußböden der Wohnungen werden verheizt. Jeder Nagel wird gerade geklopft, jede Schraube gesammelt. Altmaterialhändler sind die Männer der Stunde. Für jedes Ende Kupferkabel gibt es Geld. Niemand fragt, woher das Kabel stammt. Der Adler-Pkw wird von der britischen Besatzungsmacht aus der Garage heraus beschlagnahmt. So steht auch der Betrieb vor einem neuen und ungewissen Anfang. Material und Werkzeuge sind kaum zu bekommen. Es sei denn, man bietet etwas „zum Tauschen“. Arbeiten für die Besatzungsmacht bringen Bezugsscheine für Material. Durch „Verdünnungsmethoden“ läßt sich davon schon mal etwas einsparen.
Opel Das Problem eines neuen Transportfahrzeuges wird dadurch gelöst, dass einem alten Opel P4 das Oberteil des Fondraumes abgetrennt und mit einer Holzpritsche und Seitenklappen ausgestattet wird. Es ist die Zeit, in der sich die Menschen und der Betrieb mit allem und jedem behelfen müssen. „Organisieren“ nennt man das. Die Wirtschaftshilfe durch den US-amerikanischen Marshall-Plan und die Einführung der Marktwirtschaft durch Ludwig Erhard in den Westzonen Deutschlands führen zu einem unerwarteten wirtschaftlichen Aufschwung. Das bringt auch der Firma Frahm Großaufträge für Instandsetzungsarbeiten von Verwaltungsgebäuden, Ministerien, Schulen und Wohnungsbauten. Bei Einsetzen des Wohnungsbaubooms gehört auch die Firma Frahm zu den Auftragnehmern. Nach dem Besuch der Muthesius-Werkschule in Kiel und bestandener Meisterprüfung wird Wilhelm Frahm 1951 Mitinhaber der Firma Willy Frahm. Die gute wirtschaftliche Lage des Betriebs macht eine Erweiterung des Werkstattgebäudes erforderlich. Auch die maschinelle Ausstattung des Betriebes wird ständig verbessert.

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1961 - 1986

Wilhelm Frahm

Am 1. Januar 1961 übernimmt mein Vater Wilhelm Frahm den Betrieb von seinem Vater in eigener Verantwortung. Er führt die erfolgreiche Geschäftspolitik fort, der Schwerpunkt bleibt die Bauunterhaltung. Seine Auftraggeber sind die Landesbauämter, Wohnungsbaugesellschaften, Baugenossenschaften, das Wasser- und Schiffahrtsamt und eine Reihe langjähriger privater Auftraggeber. Dem allgemeinen Trend, die Firma ständig zu vergrößern, folgt er nicht. Er legt Wert auf den direkten Kontakt zu jedem einzelnen Kunden, den guten Kontakt zu seinen Mitarbeitern und eine gründliche Kontrolle der Arbeiten.

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1986 - heute

Thomas Frahm

Am 1. Januar 1986 schließlich habe ich den Betrieb von meinem Vater Wilhelm Frahm übernommen. Nach Lehr- und Gesellenjahren im Betrieb Herbert Schnoors in Kiel, dem Besuch der Meisterschule für Maler in Lahr (Schwarzwald) und bestandener Meisterprüfung erfüllte ich dafür alle Voraussetzungen. Bald nach der Übernahme habe ich das Leistungsangebot der Firma um die Bereiche Betonsanierung, Fassadenreinigung und Vollwärmeschutzarbeiten an Fassaden erweitert. 1988 ersteigerte ich eine Werkhalle auf dem Grundstück Fritz-Reuter-Str. 8a. Ich baute sie zu einer größeren Werkstatt aus, um den Raumbedarf für neue Techniken zu decken. Das macht deutlich, dass ein an Jahren alter Betrieb jung und fortschrittlich sein kann.
Ich bin ein gründlicher Techniker und Fachmann mit sicherem Geschmack in der Farbgebung. Von meinen Mitarbeitern fordere ich eine saubere und handwerksgerechte Ausführung. Damit bleibe ich der Tradition meiner Vorgänger treu.

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Nachwort

Der Handwerksmeister ist Kopf und Lenker seines Betriebes. Die Mitarbeiter aber sind das Bindeglied zwischen Meister und Kunden. Ihr Auftreten und Verhalten, ihr Fleiß und ihr handwerkliches Geschick sind entscheidend dafür, ob der Kunde dem Betrieb weiter Aufträge erteilen wird. Ohne gute Gesellen kann ein Betrieb nicht laufen. Wenn ein Betrieb auf 100 Jahre des Bestehens zurückschauen kann, muss er viele gute Mitarbeiter gehabt haben. Dank sei daher allen Mitarbeitern aus über 100 Jahren des Betriebsbestehens für ihren Fleiß und ihren Einsatz. Das Büro ist die Schaltstelle des Betriebes. Die Erfassung von Daten ist erforderlich, um Leistungen in Erlöse umzuwandeln, die den Gesellen Lohn, dem Staat Abgaben und Steuern und dem Meister Einkommen und Mittel zur Fortführung des Betriebes bringen. Ohne Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein der Mitarbeiter in dieser Schaltstelle ist der beste Meister überfordert.

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